Kinder immer stärker von psychischen Krisen betroffen

Veröffentlicht am 7. Mai 2026 um 09:55

(Stefanie Schmidt) In Deutschland leben zahlreiche Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen. Im Jahr 2024 wurden über 116.000 junge Menschen im Alter von 10 bis 19 Jahren wegen psychischer Erkrankungen stationär im Krankenhaus behandelt. Zu den häufigsten Diagnosen zählen Angststörungen, Depressionen, ADHS und Störungen des Sozialverhaltens.

Die Belastungen durch psychische Erkrankungen sind für Betroffene und ihr Umfeld erheblich. Sie können die Entwicklung, die schulische Leistungsfähigkeit und das soziale Leben stark beeinträchtigen. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Diagnosen kontinuierlich gestiegen, was unter anderem auf eine erhöhte Sensibilität und bessere Erkennung zurückzuführen ist. Die COVID-19-Pandemie hat die Situation zusätzlich verschärft: Isolation, Unsicherheiten und fehlende Alltagsstrukturen führten zu einem Anstieg psychischer Belastungen.

Psychische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen haben weitreichende Auswirkungen auf das Familienleben. Häufig geraten familiäre Strukturen und das Zusammenleben unter erheblichen Druck. Eltern stehen vor der Herausforderung, die Erkrankung ihres Kindes zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Dies kann zu Unsicherheiten, Überforderung und Schuldgefühlen führen. Die Sorge um das betroffene Kind nimmt im Alltag oft einen zentralen Platz ein und beeinflusst die emotionale Atmosphäre in der Familie.

Geschwisterkinder erleben nicht selten eine Verschiebung der Aufmerksamkeit und fühlen sich vernachlässigt oder überfordert. Konflikte innerhalb der Familie können zunehmen, da die Belastung auf alle Mitglieder wirkt. Der Alltag wird durch Arzt- und Therapietermine, Krisensituationen oder Verhaltensauffälligkeiten häufig stark beeinflusst. Auch finanzielle Belastungen oder organisatorische Herausforderungen entstehen, insbesondere wenn ein Elternteil seine Arbeitszeit reduziert oder zusätzliche Unterstützung benötigt wird.

Die Kommunikation innerhalb der Familie verändert sich oft. Themen wie Rückzug, Ängste oder depressive Verstimmungen werden manchmal tabuisiert oder führen zu Missverständnissen. Gleichzeitig kann die Erkrankung aber auch dazu führen, dass Familienmitglieder enger zusammenrücken und gemeinsam nach Lösungen suchen. Externe Unterstützung, etwa durch Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen, kann helfen, die Situation zu entlasten und den Umgang mit der Erkrankung zu verbessern.

Die Versorgungslage in Deutschland ist angespannt. Zwar existiert ein breites Netz an Hilfsangeboten, darunter Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten sowie Beratungsstellen, jedoch sind die Wartezeiten auf einen Therapieplatz oft lang. Besonders im ländlichen Raum mangelt es an spezialisierten Angeboten. Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen an Schulen und in der Jugendarbeit werden zwar ausgebaut, reichen aber vielerorts nicht aus, um den wachsenden Bedarf zu decken.

Insgesamt ist die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ein zentrales gesellschaftliches Thema. Trotz verbesserter Aufklärung und wachsender Hilfsangebote bleibt die Versorgungslage eine Herausforderung, insbesondere angesichts steigender Fallzahlen und begrenzter Ressourcen.

Erziehungs- und Familienberatungsstellen bieten kostenlose Unterstützung. Eltern minderjähriger Kinder haben ein Recht auf kostenlose Beratung, die diskret durchgeführt wird. Kinder können sich auch ohne Wissen der Eltern beraten lassen. Die Beratungsstellen finden sich im Internet. Eine erste Hilfe erfahren Kinder und Jugendliche unter der Nummer gegen Kummer 116 111.

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.

Erstelle deine eigene Website mit Webador